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Magazin: Der Rosenkavalier

Baron Ochs auf Lerchenau (Patrick Zielke) kniet vor der sitzenden Feldmarschallin Fürstin Werdenberg (Magdalena Hinterdobler) auf dem Bühnenboden. Sie beugt sich zu ihm hinab. Szene aus Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“.

Zur Inszenierung

Die Sehnsucht nach dem Festhalten der Zeit und des flüchtigen Augenblicks zeigt sich beispielhaft im Medium des Films, welches kurz nach der Uraufführung von „Der Rosenkavalier“ 1911 seinen großen Durchbruch erlebt. So wird Marie Therese zur Filmschaffenden, die einen Belle-Époque-Kostümfilm über die Marschallin Fürstin Werdenberg und deren Liebhaberin dreht. Sie schreibt nicht nur das Drehbuch, sondern spielt auch die Titelrolle. Auf diese Weise herrscht sie über Team und Darstellerinnen, wobei sie eine Beziehung zu der jungen Schauspielerin Octavian unterhält. Das Schlafzimmer der Marschallin ist Kulisse im Filmstudio. So durchmischen sich in der Inszenierung die Ebenen von Spiel und Realität, von Schein und Sein, da Marie Therese mit Hilfe des Films die Kontrolle über ihr Leben und ihre Liebe behalten will. Sie weiß aber, dass die Beziehung zu Octavian aufgrund des Altersunterschieds früher oder später enden wird.

Marie Therese ist zudem Juryvorsitzende des begehrten Filmpreises „Silberne Rose“, der im Opernhaus der Stadt verliehen wird. Der Produzent des Films, der bekannte Baron Ochs, bittet sie, die Stimmen der Jury zu kaufen, um den Preis an Sophie zu vergeben, eine sehr junge Schauspielerin, die gerade am Anfang ihrer Karriere steht. Er hofft, mit der „Silbernen Rose“ ihre Gunst zu gewinnen und künftig über den weiteren Verlauf ihrer Karriere entscheiden zu können.

Auf Wunsch von Marie Therese überreicht Octavian den Preis und verliebt sich während der Zeremonie in Sophie. Auf der anschließenden Party belästigt Ochs Sophie, so wie alle anderen jungen Frauen, denen er begegnet. Das löst einen Skandal aus. Marie Therese und Octavian beschließen daraufhin, Ochs eine Falle zu stellen, um ihn dafür zu bestrafen, was sie und andere Frauen in der Vergangenheit erdulden mussten, und ihn öffentlich als Sexualstraftäter zu demaskieren.

Nachdem Ochs vom Filmteam auf frischer Tat ertappt wurde, beschließt Marie Therese, das Drehbuch ihres Films umzuschreiben: Von nun an überlässt sie der jungen Generation den Vortritt und zieht sich aus dem Rampenlicht zurück. Elegant verabschiedet sie sich und übergibt ihre eigene Rolle an die junge Sophie, den aufstrebenden Star der Filmwelt.

Von Stephan Steinmetz

Mehr im Programmheft
Unser Programmheft bietet weitere Texte zu den Themen und Hintergründen der Inszenierung. Sie können es im Kleinen Haus sowie vor Beginn der Vorstellungen im Steinfoyer kaufen.

Zusatzmaterial

  • Premieremotiv zu Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“: Die Feldmarschallin berührt Octavian an der Wange. Unten links ist das Visual des Opernpodcasts „Stagevibes“ eingeblendet.
    In der ersten Folge unserer zweiten Staffel tauchen wir ein in Richard Strauss’ DER ROSENKAVALIER.
  • Magdalena Hinterdobler im Kostüm der Feldmarschallin Fürstin Werdenberg sitzt mit Opera Bert auf dem Bühnenbett der Inszenierung DER ROSENKAVALIER. Die beiden wenden sich im Interview einander zu.
    Opera Bert besucht das wiedereröffnete Opernhaus und spricht bei der Premiere von DER ROSENKAVALIER mit Magdalena Hinterdobler.
  • Auf der Bühne sitzen die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg (Magdalena Hinterdobler) und Octavian (Bianca Andrew) in einem Bett. Über ihnen ist eine Live-Schwarz-Weiß-Nahaufnahme der Feldmarschallin projiziert. Szene aus Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“.
    Köln. Glanz. Oper! 3sat hat die vom WDR aufgezeichnete Eröffnungspremiere von Richard Strauss’ DER ROSENKAVALIER übertragen.
  • Octavian (Bianca Andrew) steht im hellen Anzug inmitten der Statisterie der Oper Köln. Mehrere Personen halten ihr Gegenstände entgegen; Annina (KS Dalia Schaechter) steht rechts neben ihr. Szene aus Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“.
    WDR 3 Radio stimmte ab 15 Uhr live auf die Eröffnungspremiere DER ROSENKAVALIER ein und übertrug anschließend die Vorstellung.

Pressestimmen

„Die Crew ist aber bis zu den Nebenrollen formidabel besetzt, herausgehoben sei unter diesen wenigstens der Tenor Young Wo Kim, der als ‚Hofsänger‘ der Marschallin aufs Köstlichste in seine Stimmpower Ironie einbaut.

[…] Magdalena Hinterdobler als Marschallin erfüllt in jeder Hinsicht die Erwartungen an eine gelingende Interpretation der zumal in einem Debüt schwierigen und heiklen Partie. Sie beherrscht das mozart-nahe Parlando genauso wie die große kantable Phrase, verfügt über eine füllig-sonore Mittellage, vor allem aber über eine unmanirierte Natürlichkeit, die nicht durch ein theatralisches Vibrato gestört wird, und sie ihren Monolog am Ende des ersten Akts mit einer tatsächlich ergreifenden, psychologisch ausgefeilten Glaubwürdigkeit singen lässt.

Wo Hinterdobler partiebedingt zu einer leicht entsagungsvollen Weichheit in der Tongebung neigt, tritt Bianca Andrew als Octavian – ebenfalls gewinnend – mit helleren, schärferen, stärker fokussierten Konturen auf, liefert zwischen explosiver Agilität und leicht depressiver Verhaltenheit eine hochdifferenzierte Rolleninterpretation. Alles andere als Routine von der Stange. Stimmlich auf der Höhe seiner Partnerinnen, schießt womöglich Patrick Zielke als Ochs darstellerisch den Vogel ab […].“

„Belohnt wird der Mut des Intendanten, für das Trio der Frauenstimmen Rollendebütantinnen und keine Stars zu verpflichten. Magdalena Hinterdobler und Bianca Andrew sind aus Frankfurt nach Köln gekommen, und es bereitet Freude, wie sie den Kontrast der Stimmfarben im Gestus ausgestalten. Man kann an den Gegensatz von Ornament und Linie denken: Hinterdoblers Marschallin leuchtet jeden Ton hintergründig aus, während Andrews Octavian das Herz auf die Zunge legt und strahlend die Sache der Leidenschaft durchzieht.“

„Da gelang Marie-Ève Signeyrole eine originelle ‚Rosenkavalier‘-Erzählung: Die Regisseurin Marie Therese (Magdalena Hinterdobler) dreht einen Spielfilm über die Belle Époque, über die Feldmarschallin und ihren jungen Liebhaber – und übernimmt selbst die Hauptrolle. […] Erstaunlich gut geht die Inszenierung auf: Schein und Sein, Leidenschaft und Missbrauch, fokussiert mit entsprechender Filmästhetik, mit Live-Kamera und Videosequenzen. Aufrüttelnd bricht Marie-Ève Signeyrole mit einem starken Ensemble die oft verdächtige Walzerseligkeit des ‚Rosenkavalier‘, aber ohne sie zu denunzieren.“

„Natürlich schmettert im ersten Akt niemand so hervor wie die italienische Tenorkarikatur, die Young Woo Kim gibt. Doch wenn Magdalena Hinterdobler dann an den vorderen Bühnenrand darf, rührt ihre Marschallin durch und durch, nicht nur aufgrund ihres langen Legatos, sondern ebenso durch die Intimität ihres Monologs. Schmerzschauer, wenn sie vor ihrem geistigen Auge die alte Frau, die alte Marschallin! sieht, die sie einmal sein wird. Das Orchester schmiegt sich hier ihrer Erzählung an, setzt eine Art schwer schreitenden Tanzschritt, aber auch einzelne scharfe Akzente, die unter die Haut fahren. […] Der Octavian von Bianca Andrew ist sehr präsent und reich an Energie und Giulia Montanari hat als Sophie einen schönen leichten lyrischen Sopran, der zudem gut mit Andrews Mezzo harmoniert. Ein bereits preisgekrönter Ochs vom Dienst ist hingegen Patrick Zielke. Er gibt den lerchenauischen Baron zwar durchaus mit schmierigem Charme […], aber ohne leutselige Dialekt-Schmäh-Humoristik. Stattdessen scharfe Komik, astrein artikuliert, sogar Brutalität, auch Momente von Dämonie – und eben ein perfektes musikalisches Timing, dem man die viel größere Rosenkavalier-Erfahrung anmerkt.“

„Die Videotechnik, die hier zum Einsatz kommt, ist mit ihren gestochen scharfen Projektionen von spektakulärer Qualität. Und die eingefangenen Bilder von ausdrucksstarken Blicken, Umarmungen, Körperpartien sind von einer poetischen, ästhetischen und auch erotischen Güte, die vielleicht nur aus einer, wie hier der Fall, rein weiblichen Zusammenarbeit entstehen kann.“

„Musikalisch eine Meisterleistung. Die Streichergruppen entfalten unter Andrés Orozco-Estrada einen silbrig schimmernden und leichtfüßig schwebenden Sound. Auch Holz- und Blechbläser (besonders Hornisten) sind perfekt intoniert und schmiegen sich dem leichten Strauss-Sound an. Hochgestimmte Walzer-Ohrwürmer, die über die ausufernden Komödien-Szenen hinwegtragen.

Sängerisch insgesamt ein Erlebnis. Besonders Sopranistin Hinterdobler entwickelt in den leuchtenden Höhen cremigen Schmelz, der exzellent zu Strauss passt. Dramatisch auftrumpfend, aber auch zurückhaltend sanft der Mezzo von Bianca Andrew. […] Als zupackender Darsteller zieht Patrick Zielkes in Bayreuth erprobter Bass alle komödiantischen Register, vom Tölpel zum doppelbödigen Schlitzohr mit Bauernschläue.“

„Auch stimmlich ist dieser ‚Rosenkavalier‘ ein Gewinn. Magdalena Hinterdobler gestaltet ihr Kölner Rollendebüt als Marschallin mit großer, warmer Stimme und bemerkenswerten Legatobögen. Sie bringt die Mischung aus Lebensklugheit, Melancholie und innerer Größe mit, die diese Figur trägt. Bianca Andrew ist als Octavian eine starke Besetzung. Sie verbindet Spielfreude mit einer differenzierten, beweglichen Stimme und lässt den jungen Mann glaubwürdig zwischen Übermut, Eifersucht und Verliebtheit changieren. Patrick Zielke gibt den Baron Ochs mit großer Bühnenpräsenz und klangvollem Bass. Giulia Montanari gestaltet die Sophie empfindsam, mit viel musikalischer Feinheit und schlanker Stimme.“

Trailer

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Der Rosenkavalier

Liebe, Intrigen und die Vergänglichkeit der Zeit – Entdecken Sie Richard Strauss’ Meisterwerk in der Inszenierung von Marie-Ève Signeyrole.

Premieremotiv zu Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“: Die Feldmarschallin berührt Octavian an der Wange.

Termine und Tickets

  • Richard Strauss
    06:00 PM to Gastspiel Oper

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