Nederlands Dans Theater

Do /
Sep 21
StaatenHaus Saal 1 / 19:30 – 20:40 / Vorstellung

Inhalt

»THE BIG CRYING«

CHOREOGRAFIE MARCO GOECKE

MUSIK Rorogwela: »Death Lullaby«; Electricity feat. Fire Eater: »Indlela Yababi«; Extreme Music From Africa (Susan Lawly, 1997). Tori Amos: »Beauty Queen«, »Marianne« (arranged by John Philip Shenale), »Blood Roses«, »In the springtime of his voodoo«, »Bells For Her«. Published by Downtown Music Publishing (P) Atlantic Recording Corporation, A Warner Music Group Company. »Losing my Religion«. Published by Night Garden Music

»IMPASSE«

CHOREOGRAFIE JOHAN INGER

MUSIK Komposition von Ibrahim Maalouf: »Lily will soon be a woman«, »maeva in wonderland«, »your soul«, »never serious«, »they don’t care about us«

Es ist eine lange Tradition, die das »Nederlands Dans Theater« mit Köln verbindet, doch sind diese Begegnungen exklusiver geworden. Das 1978 gegründete »NDT 2« sollte ursprünglich den Nachwuchs für die Hauptkompanie heranziehen, doch mittlerweile handelt es sich um eine nahezu eigenständige Kompanie. Die 17 bis 21 Jahre alten Tänzer*innen sind hochtalentierte starke Persönlichkeiten, die bereit sind, sich auf die Arbeiten von etablierten und auch neuen Choreograf*innen mit deren ganz eigenen Handschriften einzulassen. Im StaatenHaus zeigen sie nun die neuen Arbeiten von Johan Inger und Marco Goecke, zwei der namhaftesten Choreografen weltweit.

»THE BIG CRYING«

Wer die Werke von Marco Goecke kennt, weiß, dass sie immer auch mit ihm selbst und mit ihrer jeweiligen Entstehungszeit zu tun haben. Vielleicht ist »The Big Crying« Goeckes persönlichstes Stück, begonnen im Herbst 2020, kurz nach dem Tod seines Vaters. Es sei ein Stück über Abschied und über ›alles, was wir verbrennen müssen‹, sagt der Choreograf und spricht weiter von ›Körpern, die wie kaputte Motoren sind‹, und von ›Kostümen, die an Vorhänge von Leichenwagen‹ erinnern. Dass zu seiner Musikauswahl ein »Death Lullaby« gehört, verwundert da nicht, ebenso treffend ist »Blood Roses« der amerikanischen Sängerin Tori Amos, deren manchmal verwirrende Poesie Goeckes Tanz sehr nahe ist. Die gesamte Kreation, dargeboten von 19 herausragenden Tänzer*innen, kommt mit der feurigen Kraft einer ganzen Kompanie daher, die spüren lässt, dass gerade bei aller Vergänglichkeit der Tanz immer auch die Freude am Leben und den Drang, lebendig zu sein, zelebriert.

Marco Goecke, in Wuppertal geboren, erhält seine Ballettausbildung an der Münchner Heinz-Bosl-Stiftung und am Königlichen Konservatorium Den Haag. Erste Engagements führen ihn an die Deutsche Oper Berlin und das Theater Hagen, wo er im Jahr 2000 erstmals choreografiert. Mit seiner völlig eigenen Bewegungssprache ist er rasch weltweit gefragt und gewinnt fortan bedeutende Preise. Von 2005 bis 2018 ist Goecke Hauschoreograf für das »Stuttgarter Ballett« und seit 2013 assoziierter Choreograf des »Nederlands Dans Theater«. Seit Januar 2019 ist er Artist in Residence bei »Gauthier Dance« und seit der Spielzeit 2019.20 er Ballettdirektor am Staatstheater Hannover.

»IMPASSE«

Unsere heutige Welt wird durch eine Situation definiert, in der sich das Konzept des Fortschritts als Selbstzweck überlebt hat. Johan Inger beleuchtet die Tatsache, dass die Basis des menschlichen Verhaltens in Gruppenzwang und Selbstverlust wurzelt, bestimmt durch die Verführung nicht endender Ströme von ›Neuem‹. Problematisiert wird die Leichtigkeit, mit der wir auf das hereinzufallen scheinen, was andere sagen oder tun, und wie wir in diesem Prozess die Möglichkeit zu fruchtbarem Wachstum verlieren. Besitzen wir die Fähigkeit, die Welt gemeinsam ernsthaft zu hinterfragen und sie neu zu erfinden? Durch die stetige Zunahme der Anzahl der Tänzer*innen auf der Bühne und die gleichzeitige Verkleinerung des Raums erzeugt »IMPASSE« ein Gefühl der Dringlichkeit. Fließende Bewegungen und starke Rhythmen werden vom jungen Ensemble des »NDT 2« durch Momente hysterischer Komik und manischer Isolation umgesetzt, darauf abzielend, dass wir gemeinsam stärker sein könnten. Allein sind wir zu schwach.

Johan Inger, gebürtiger Schwede, tanzt fünf Jahre lang beim Königlichen Ballett in Stockholm und wechselt dann zum »Nederlands Dans Theater«, wo er bis 2002 als Tänzer engagiert ist. Jiří Kylián, damaliger Leiter der Kompanie, betraut ihn mit einer Choreografie – »Mellantid« wird mehrfach ausgezeichnet. Seitdem choreografiert er regelmäßig für das »NDT« und viele andere Kompanien in ganz Europa. Charakteristisch ist seine theatralische und teils groteske Tanzsprache. Zu den bekanntesten Werken gehört »Walking Dead« zu Maurice Ravels »Boléro«, bei zahlreichen Kompanien im Repertoire und 2010 mit der »Hubbard Street Dance Company« aus Chicago in der Oper Köln zu Gast. Von 2003 bis 2008 leitet Inger das »Cullberg Ballet«, wo er als Associate Choreographer weiterhin Ballette kreiert. 2013 erhält er die schwedische Carina-Ari-Medaille, 2016 gewinnt er in Moskau den »Prix Benois de la Danse«.

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