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Dezember

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»Sing Halleluja«
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Venus im Licht

Ein Nachruf auf die Sängerin und Menschenfreundin Eva Tamassy

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Eva Tamassy als Carmen in einer historischen Aufnahme

 

Die Oper Köln trauert um Eva Tamassy, die 25 Jahre lang, von 1970 bis 1995, als Mezzosopranistin und Altistin zu ihrem Ensemble zählte.
Am frühen Abend des 11. Dezember 2019 ist sie im St. Antonius Krankenhaus in Köln verstorben.
In ihren Glanzzeiten waren es insbesondere die ›Femme fatale‹-Gestalten, für die sich Eva Tamassy prädestiniert zeigte: Carmen in Bizets gleichnamiger Oper, Dalila in Saint-Saëns »Samson et Dalila« und weitere mondäne Schlingpflanzen, dann gerne auch aus dem italienischen Repertoire. In den Besetzungsbüros der deutschen Opernhäuser wurde sie in den 1960er-Jahren – mit einem gewissen humorigen, gleichwohl respektvollen Unterton – als die ›Bundes-Carmen‹ gehandelt. Doch auch als schicksalsdröhnende Erda in Richard Wagners »Der Ring des Nibelungen« war sie mit ihrem eindrucksvollen tiefen stimmlichen Register viele Jahre lang an internationalen Bühnen gefragt. Und natürlich war sie auch Azucena, Ulrica, Eboli, um nur einige zu nennen.
Auf Hochglanz-Schwarzweiß-Fotos aus den 1950er- und 1960er-Jahren vermittelt sie sich als eine dunkelhaarige Schönheit, die, wenn ihre Gesangsausbildung sie nicht auf die Opernbühne geführt hätte, augenscheinlich auch in den Filmstudios von Cinecittà ein lukratives Unterkommen hätte finden können. Nicht umsonst wurde ihr in jenen Jahren auch die Bezeichnung einer ›Sophia Loren der Opernbühne‹ zuteil. Und tatsächlich liebte sie Italien und gastierte dort, seitdem sie schicksalhaft Ende der 1950er-Jahre aus Ungarn in den Westen ausgereist war, häufig: Rom, Bologna, Triest, Venedig, Parma, Neapel waren Gastspielstationen ihres weithin akklamierten Wirkens, doch auch in Paris, Lissabon, Prag, Marseille, Toulouse und Nizza stand sie auf der Bühne. 1959 war sie als Amneris in »Aida« auch an der Wiener Staatsoper zu hören.
Festengagements verbanden sie zunächst mit Wiesbaden (1959 bis 1961), wo seinerzeit Wolfgang Sawallisch als Chefdirigent wirkte, und Bern (1962-63). Dabei gab sie mit ihrer enormen Bühnenpräsenz auch den Mezzo-Fachpartien aus den Werken von Richard Wagner, der Klytämnestra in der »Elektra« von Richard Strauss oder auch anspruchsvollen Nebenpartien wie der Dritten Dame in Mozarts »Die Zauberflöte« ein deutliches Gewicht. Eine künstlerisch fruchtbare Zeit, mit allen großen Fachpartien der Werke von Giuseppe Verdi und Richard Wagner, aber auch als Carmen, Dalila oder als Glucks Orpheus, verlebte sie von 1963 bis 1970 am Nationaltheater Mannheim unter seinem damaligen Musikalischen Leiter Horst Stein.
1970 wechselte Eva Tamassy an die Oper Köln. Deren Chefdirigent war zu diesem Zeitpunkt der brillante István Kertész, den sie bereits aus Budapest kannte und dessen Tod durch Ertrinken während eines Israel-Gastspiels der Oper Köln im April 1973 bis heute zu den Tragödien in der Chronologie der Kölner Oper zählt. Mit seiner Ehefrau, der Sopranistin Edith Gabry-Kertész, verband Eva Tamassy seit der Studienzeit an der Budapester Musikakademie – und dann lebenslang – eine enge Freundschaft. Auch der gefeierte Tenor Robert Ilosfalvy zählte zu diesem aus frühen Karriere-Tagen verbundenen Kollegenkreis.
Eine ihrer ersten Kölner Partien, im Jahr 1970, war die Königin Gertrud in der Deutschen Erstaufführung der Oper »Hamlet« des ungarischen Komponisten Sándor Szokolay. Über 20 Jahre lang, bis in die Mitte der 1990er-Jahre, blieb Eva Tamassy Kölner Ensemblemitglied. Von hier aus ergaben sich, neben den schon genannten internationalen Stationen, auch Gastspiele an allen größeren deutschen Opernhäusern, wie zum Beispiel Hamburg, München, Stuttgart, Frankfurt. In den letzten Jahren ihrer Bühnentätigkeit deckte sie hier ein breites Feld von Charakterpartien aus den unterschiedlichsten musikalischen Welten ab – von der Frau Stjopa in der Deutschen Erstaufführung von York Höllers »Der Meister und Margarita« nach dem Roman von Michail Bulgakow (1991) über die Contesse di Coigny in »Andrea Chénier«, die Adelaide in »Arabella« von Richard Strauss, die Czipra in »Der Zigeunerbaron«, die tyrannische Mutter Háta in »Die verkaufte Braut« bis zur Witwe Browe in Lortzings »Zar und Zimmermann«. Auch dem Prinzen Orlofsky in »Die Fledermaus« verlieh sie einen generös weltläufigen Ausdruck. Dessen libertines Bekenntnis »Chacun à son gout« (»Jeder nach seinem Geschmack«) beherzigte sie, so champagner- wie ironiegesättigt, auch im realen Leben: „»Ich habe drei gescheiterte Ehen hinter mir: Was soll ich mich da noch darüber aufregen, was andere Leute machen?!«.
Ein sprechendes Beispiel ihres Selbstverständnisses als überzeugte Katholikin und engagierte Kollegin vermittelt sich in einer Episode, von der sie selbst später nie mehr sprach, an die sich andere Menschen jedoch noch aus guten Gründen erinnern: In der frühen Zeit von AIDS, als Teile der Medien sich noch in beängstigenden Spekulationen über die denkbaren demographischen Auswirkungen dieser Krankheit und deren etwaige Ansteckungs-Übertragungswege ergingen, beteiligte die Sängerin sich an der privaten Pflege eines unheilbar erkrankten jungen Kollegen aus der Dramaturgie, um ihm ein menschenwürdiges Sterben in seinen eigenen vier Wänden zu ermöglichen, indem sie für ihn kochte und die Wäsche besorgte.
Eva Tamassy liebte Köln, diese – in ihren Augen – »nördlichste Stadt Italiens«, in der sie bis zuletzt die, wie sie es nannte, »Glut der Kaiserin Agrippina« zu verspüren vermeinte. Und wenn sie diese Äußerung tätigte, unterstrich sie die Triftigkeit ihrer Aussage mit einer so nachdrücklichen Betonung jeder Silbe und einer so selbstverständlichen Freudigkeit im Ausdruck, als handle es sich bei jener römischen Kaiserin – der Mutter des Kaisers Nero und quasi Namensgeberin der Stadt Köln – um eine ihr bestens vertraute Sympathieträgerin, die sie noch aus gemeinsamen Internatszeiten kannte und schon längst mal wieder zum Tee zu sich nach Köln-Bayenthal in die Cäsarstraße hatte einladen wollen. Das Feld der Alten Geschichte war ihre Leidenschaft, und zu den romanischen Kirchen der Stadt Köln pflegte sie ein fast familiäres Verhältnis.
Bei den Premieren der Oper Köln fehlte sie bis zuletzt nie, und auch in den weiteren Repertoirevorstellungen verfolgte sie das Wirken der jungen, ›nachgewachsenen‹ Kolleginnen und Kollegen mit der leidenschaftlichen Empathie der Künstlerin – und zugleich mit dem Wohlwollen einer – sprichwörtlich – ›guten Fee‹. Sie hatte immer Lust auf Neues. Noch zweieinhalb Wochen vor ihrem Tod zeigte sie sich im Kölner StaatenHaus bei der Deutschen Erstaufführung der Oper »Hamlet« von Brett Dean begeistert und »wie elektrisiert«. Und was jene Werke betraf, die sie in ihrem Leben unzählige Male erlebt, auch selbst gesungen hatte, gelang es ihr immer wieder, sich ihnen mit frischer Neugier zu nähern, ganz nach der von ihr gerne betonten Devise: »Ich vergleiche nie! Es ist für mich jedes Mal neu.«
Im Foyer der Oper Köln und auch in deren Spielstätte StaatenHaus war sie – unvergesslich – auch eine optische Bereicherung, geradezu eine literarische Gestalt eigener Prägung: Ihre gepflegte Erscheinung und würdige Eleganz ließen all jene Besucherinnen und Besucher, die nicht wussten, wer sie war, zwangsläufig zu der Vermutung gelangen, es handle sich bei ihr offenbar um die Vertreterin einer glanzvollen Epoche – als habe sich eine ihrer Umgebung wohlgesonnene Gräfin aus der Figurenwelt des Romanciers Sándor Márai mit milder Grandezza unter die ›normal Sterblichen von heute‹ gemischt.
Was ihr Alter betraf, gab sie auffallend freiherzig das Jahr 1933 an – und ihr astrologisches Faible ließ sie manchmal hinzufügen: »In der zweiten Märzhälfte – ich bin also ein ganz ganz müder Fisch!« Wie es ihr, sofern man diese Zeitrechnung zugrunde legt, dann hatte gelingen können, nach abgeschlossener höherer Schulbildung und absolviertem Gesangsstudium bereits im Jahr 1951 an der Nationaloper Budapest als Verführerin Maddalena in Giuseppe Verdis »Rigoletto« eindrucksvoll zu debütieren, wird eines der vielen Geheimnisse bleiben, die diese nachweislich zauberisch begabte Artistin nun mit sich genommen hat.
Was das Genre Oper betraf, war Eva Tamassy nicht an der Herausstellung ihrer eigenen Bedeutung interessiert, sondern immer nur am ›großen Ganzen‹. Alles Geistige – und auch das Spirituelle – waren ihr ureigenes Element. Aus den Bühnenwerken entnahm sie sich höhere Wahrheiten. Dabei stand ihr Béla Bartóks faszinierender Einakter »Herzog Blaubarts Burg« um den mysteriösen ›Ehefrauen-Auslöscher‹ und die ihn mit Fragen bedrängende Judith zeitlebens am nächsten. Seit ihrer frühen Jugend beschäftigte sie sich damit. »Diese Oper ist meine Bibel. Darum mache ich es auch nicht wie Judith, ich frage nicht! Die Geheimnisse, die sich mir wirklich entschlüsseln sollen, werden sich niemals durch Nachfragen aufklären. Alle wichtigen Rätsel lösen sich nur von alleine. Da muss ich also Geduld haben und warten.«


Georg Kehren