Kalender
MO DI MI DO FR SA SO
01 02
StaatenHaus Saal 2 / 19:30 - 22:30
Street Scene
03 04
StaatenHaus Saal 3 / 18:45 - 19:05
Jeanne d'arc - Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna
StaatenHaus Saal 1 / 19:30 - 22:30
Jeanne d'arc - Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna
05
StaatenHaus Saal 2 / 18:00 - 21:00
Street Scene
06 07 08
StaatenHaus Saal 2 / 19:30 - 22:30
Street Scene
09 10
StaatenHaus Saal 2 / 19:30 - 22:30
Street Scene
11 12
StaatenHaus Saal 2 / 16:00 - 19:00
Street Scene
13 14 15 16
StaatenHaus Saal 2 / 19:30 - 22:30
Street Scene
17
StaatenHaus / 15:00 - 16:30
Opernführung im StaatenHaus
18 19
StaatenHaus Saal 1 / 18:00 - 21:00
My Fair Lady
20 21 22
StaatenHaus Saal 1 / 19:30 - 22:30
My Fair Lady
23 24
StaatenHaus Saal 1 / 19:30 - 22:30
Fest der schönen Stimmen
25
StaatenHaus Saal 3 / 15:00 - 16:10
Die Zauberflöte für Kinder
StaatenHaus Saal 1 / 20:00 - 23:00
My Fair Lady
26
27 28
StaatenHaus Saal 1 / 19:30 - 22:30
My Fair Lady
29 30
StaatenHaus Saal 3 / 15:00 - 16:10
Die Zauberflöte für Kinder
StaatenHaus Saal 1 / 18:00 - 21:00
My Fair Lady
31

Nachruf auf Carlos Feller - 1922-2018

Die Oper Köln trauert um einen ihrer Granden. Carlos Feller, der bedeutende Sänger, Charakterdarsteller und Erzkomödiant, ist am 21. Dezember 96-jährig in Kempten im Allgäu, wo er sich die letzten Monate aufgehalten hatte, gestorben. Es heißt, er, der bis zuletzt in passabler gesundheitlicher Verfassung und wachen Geistes war, sei friedlich entschlafen.

Von 1969 bis 1996 zählte er als Bassist zum festen Ensemble der Oper Köln. Wer ihn als Bartolo – in Rossinis »Barbier von Sevilla«, in Mozarts »Hochzeit des Figaro« – oder in Partien wie Don Pasquale und Don Alfonso (»Così fan tutte«) auf der Bühne erlebt hat, verband diese Rollen von da an mit der Person dieses unverwechselbaren Sängerdarstellers. Seine Domäne waren die strengen Väter, die verschrobenen Advokaten, die verschmitzten Gauner, die in ihren Ansichten verfangenen Rechthaber, die zynischen Strippenzieher, die Geldverwalter mit dem Wissen um den materiellen Kern aller menschlichen Beziehungen oder die aus der Kenntnis der menschlichen Seele wohlweislich abgeklärten Philosophen. Die Zahl der Partien, die er während seiner Ensemblezugehörigkeit an der Oper Köln gesungen hat, ist Legion – sehr eindrucksvoll präsentierte er sich auch im moderneren Fach, etwa als Doktor in Alban Bergs »Wozzeck« oder als greiser Schigolch in »Lulu«.
Mit seinem Tod schließt sich der Kreis einer Biografie, in der sich – neben der Bedeutung für die Opernwelt – nicht zuletzt auch die Wechselfälle des vergangenen Jahrhunderts widerspiegeln. Geboren wurde Kalman Felberbaum, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, am 30. Juli 1922 in der Nähe von Lemberg, im Gebiet der West-Ukraine, die damals polnisch dominiert war. Seine eigentliche Heimat jedoch war Südamerika, wohin seine Eltern mit ihm bereits Ende der 1920er-Jahre ausgewandert waren – zunächst nach Montevideo, bald dann aber schon weiter nach Buenos Aires. Hier erfuhr Kalman respektive Carlos – statt des ursprünglich in Aussicht genommenen Zahnmedizinstudiums – an der Opernschule des Teatro Colón seine Gesangsausbildung bei der Koloratursopranistin Editha Fleischer, um 1946 am ehrwürdigen Colón seine ersten Bühnenerfahrungen zu sammeln – mit der kleinen Rolle des Arztes in Debussys »Pelléas et Mélisande« als Antrittspartie. Die Entscheidung seiner Eltern, Osteuropa zu verlassen, erwies sich im Nachhinein als eine ‚Über-Lebensentscheidung‘ – ein Großteil der Verwandtschaft wurde im Holocaust ermordet.
Ende der 1950er-Jahre kam Carlos Feller - mittlerweile Ehemann und Vater - zurück nach Europa, sang unter anderem beim Festival im Glyndebourne, durchlief Festengagements an den Opernhäusern von Mainz, Frankfurt und Kiel – und zum Ende der 1960er-Jahre geschah das, was er später mit dem süffisanten Satz kommentierte: »Dann hat Köln mich adoptiert«. Am Kölner Offenbachplatz prägte er zunächst bis 1975 zunächst die Zeit des Generalintendanten Claus Helmut Drese, um dann zentraler Protagonist in der viel beschworenen Ära des Intendanten Michael Hampe zu werden. Im Mozart-Zyklus des Theaterzauberers Jean-Pierre Ponnelle war er als Leporello, Bartolo und Don Alfonso eine unüberbietbare Größe. Hier – wie auch in vielen anderen Produktionen – bildete er eine Bühnenfamilie mit unvergessenen Ensemble-Partnern wie Lucia Popp, Margaret Price, Robert Ilosfalvy, Hermann Winkler, Wolfgang Anheisser, Wassilio Janulako oder Zoltan Kelemen. Mit Kollegen wie dem Bariton Claudio Nicolai oder dem Dirigenten Georg Fischer verband ihn bis zuletzt eine enge Freundschaft.
Von Köln aus gastierte Feller – der Perfektionist, der Wanderer zwischen den Welten – regelmäßig an den großen Musikzentren, sei es in München, London, Paris oder Brüssel. Seine Kunst der Menschendarstellung zog weltweit Kreise. Was die Entwicklung seiner Rollengestaltungen und seiner Karriere betrifft, war es wie bei einem guten Wein, dem das Alter nichts anhaben kann, sondern der im Gegenteil an Aromen hinzugewinnt. So absolvierte er sein gefeiertes Debüt an der New Yorker Met – als Don Alfonso in »Così fan tutte«, mit Kiri Te Kanawa als Fiordiligi – im Jahr 1988 mit Mitte Sechzig.
Sein musikalisches und darstellerisches Vermögen wussten die Regisseure zu nutzen, und auch berühmte Pult-Größen wie Carlos Kleiber, Herbert von Karajan, Daniel Barenboim, Jeffrey Tate waren ihm über die Jahrzehnte nicht nur beruflich, sondern auch menschlich verbunden. Als das Ensemble-‚Urgestein‘ Feller im Dezember 2009 im Rahmen eines »Sängerporträts Carlos Feller« ein letztes Mal an der Oper Köln in Erscheinung trat, ließ es sich Michael Gielen nicht nehmen, ihm seine Reverenz zu erweisen und die Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse aus dem Buenos Aires der 1940er-Jahre wachzurufen.
Nach seinem Rückzug verfolgte der Wahl-Kölner als Ehrenmitglied die Geschehnisse um sein Stammhaus weiterhin genau, meldete sich auch hin und wieder zu Wort – etwa als Laudator, wenn es galt, früheren Bühnenpartnern wie Claudio Nicolai oder Matti Salminen Ehre angedeihen zu lassen.
Jene Kollegen an unserem Haus, die noch mit Carlos Feller gearbeitet haben, sprechen mit größter Wertschätzung, ja Verehrung von ihm. So wird er in diesen Tagen aus zuverlässigen Quellen immer wieder als eine »wahrhaftige Autorität« beschrieben, als ein »wirklich feiner Mensch«, als ein »‚Herr‘ im besten Sinne«.
Kraft seiner Persönlichkeit und der Lebensweisheit, die er in seine Interpretationen legte, hatten seine Rollenporträts ein Format, das weit über die Bühne und das Operninterne hinauswies, und das sich im Shakespeareschen Sinne mit dem Wort »Welttheater« benennen lässt. Carlos Feller ist Schöpfer eines Rollen-Kosmos, der in der Erinnerung nachwirkt.
Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet.

Georg Kehren