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Georg Fischer

Botschafter der ›aura amorosa‹

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Zum Tod des Dirigenten Georg Fischer (1935 – 2020)

Der Dirigent Georg Fischer ist, wie aus seinem familiären Umfeld zu erfahren war, am 24. Oktober im Alter von 85 Jahren verstorben. Zweieinhalb Jahrzehnte lang, von Mitte der 1960er-Jahre bis 1990, war er der Oper Köln als quasi omnipräsenter und hoch angesehener Kapellmeister verbunden. In dieser langen, für die Oper Köln sehr erfolgreichen Phase war er als musikalische Kapazität eine nicht weg zu denkende Stütze dieses Hauses. Dass sich ein künstlerisches ‚Kaliber‘ wie er, ohne dabei den Posten des eigentlichen Chefdirigenten für sich zu beanspruchen, so viele Jahre mit Treue an Köln band und dabei ein so vielfältiges Repertoire in dieser besonderen Qualität ausfüllte, darf aus heutiger Sicht, vorsichtig gesprochen, als ungewöhnlich bezeichnet werden. Man darf es, noch im Nachhinein, auch ein ‚Geschenk‘ nennen.

Ausgebildet in seiner Heimat Budapest, an der dortigen Franz-Liszt-Akademie, und am Mozarteum Salzburg, war Georg – ungarisch: György – Fischer in jungen Jahren als Assistent von Herbert von Karajan an der Wiener Staatsoper tätig. Mitte der 1960er-Jahre folgte er seinem Landsmann, dem damaligen neuen Kölner Chefdirigenten István Kertész, als dessen Stellvertreter und persönlicher Referent in die Domstadt. Verheiratet war Fischer damals mit der legendären slowakischen Sopranistin Lucia Popp, die gemeinsam mit ihm nach Köln kam und hier elf Jahre lang festes Ensemblemitglied blieb. Vom Publikum geliebt und verehrt, sang sie in dieser Zeit auch häufig unter dem Dirigat ihres Ehemannes und bescherte dem Publikum gemeinsam mit ihm so manche Sternstunde.

Die Erinnerung an den viel beschriebenen Kölner Mozart-Zyklus, der in den 1970er- und 1980er-Jahren von der Domstadt aus Maßstäbe der Interpretation setzte, ist untrennbar mit dem Namen des Dirigenten Fischer verbunden. Jean-Pierre Ponnelle hatte hier, beginnend im Jahr 1969 mit der gefeierten Inszenierung von „La clemenza di Tito“, als Regisseur sozusagen eine eigene Mozart-Epoche etabliert, und wenn in den folgenden Jahren diese ‚Ponnelle-Mozart-Produktionen‘ immer wieder – und zumeist in geradezu sprachlos machend glänzender SängerInnenbesetzung – am Kölner Offenbachplatz zu hören waren, stand keiner so häufig am Pult wie der allseits geschätzte Mozart-Spezialist aus Budapest.

György Fischer war nicht nur ein musikalisches Talent, ihm stand auch eine hohe Intellektualität zu Gebote, die bei ihm frei von jedem Dünkel war: Rhetorisch begabt und menschlich einfühlsam konnte er seine ‚musikalische Vision‘ sehr genau beschreiben. Er liebte, was er dirigierte, er liebte die Oper als musikalisches Genre, er liebte das Ensemble, und jegliche Form von ‚Pultstar-Selbstherrlichkeit‘ war ihm fremd. Noch Jahre später erinnerte sich ein Kölner ‚Ensemble-Urgestein‘, der unvergessene Bassist Carlos Feller, dass niemand ihm so viel über die Musik Mozarts zu erklären in der Lage gewesen sei wie sein guter Freund György.

Georg „György“ Fischer, der nebenbei auch ein exzellenter Pianist war, prägte als Dirigent auch nach dem frühen Unfalltod von István Kertész wesentlich die Epochen der Intendanten Claus Helmut Drese und Michael Hampe, und er war auch dem Chefdirigenten Sir John Pritchard ein mehr als nur verlässlicher ‚Sparring-Partner‘. Den von ihm verantworteten Neuproduktionen verlieh er seine informierte musikalische Handschrift – darunter waren legendäre Aufführungen wie Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ (mit Lucia Popp, Carlos Feller, Wolfgang Anheisser), Donizettis „Don Pasquale“ (in der Titelrolle alternierend: Zoltán Kelemen und Carlos Feller), Aubers „Fra Diavolo“ (mit Popp, Feller, Martha Mödl, Martin Finke), Donizettis „L’elisir d‘amore“ (erneut Popp, Feller), Cimarosas „Il disperato marito“ (Sylvia Geszty, Martin Finke, Carlos Feller), Cimarosas „Die heimliche Ehe“ (unter der Regie von Michael Hampe, mit Carlos Feller, Claudio Nicolai, David Kuebler, Krisztina Laki, Barbara Daniels), Händels „Agrippina“ (Regie: Hampe, mit Barbara Daniels, Janice Hall, Günther von Kannen, David Kuebler, Ulrich Hielscher, Carlos Feller) – und auch den zahllosen Repertoire-Vorstellungen, von „Zar und Zimmermann“ bis „Carmen“, garantierte er gemeinsam mit dem Gürzenich-Orchester und den ihm meistenteils bestens vertrauten Sängerinnen und Sängern ein herausragendes musikalisches Niveau, das dazu beitrug, Köln zu einem begehrten Reiseziel für Opernfreunde aus aller Welt werden zu lassen.

Jede noch so enge Verbundenheit hat ihre Zeit, und im Juli 1990 verabschiedete sich Georg ‚György‘ Fischer mit einer Aufführungsserie von Mozarts „Le nozze di Figaro“ von ‚seinem‘ Kölner Stammhaus, um von da an internationalen Verpflichtungen zwischen München, London, Südamerika, Kanada und Australien nachzukommen. Wenige Jahre später, etwa Mitte der 1990er, während der Intendanz von Günter Krämer, kehrte er nochmals für einige Vorstellungen („Der Wildschütz“, „Die Zauberflöte“) an den Offenbachplatz zurück. Kein Opernhaus wurde im weiteren Verlauf seiner Karriere wieder in jenem exklusiven Sinne sein künstlerisches Zuhause, wie es für ihn die Kölner Oper zweieinhalb Jahrzehnte lang gewesen war. Man darf sagen, dass er – mit all seinem immensen Wissen, seinem Ensemblegeist und seinem künstlerischen Idealismus – in seinen festen Kölner Jahren alles für dieses Haus, seine MusikerInnen und das Ensemble in die Waagschale geworfen hat.

Bis zuletzt in Köln-Lövenich wohnhaft, hatte György Fischer sich während seines Ruhestandes weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und widmete sich, in glücklicher familiärer Einbindung, ganz dem Privatleben. Den vertrauten Kontakt mit einigen seiner künstlerischen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern aus den ‚alten Kölner Zeiten‘ pflegte er jedoch, so lange es ging.

Die Oper Köln wird das Andenken an diesen wertvollen und hoch geschätzten Musiker und Kollegen in Ehren halten. Unser Mitgefühl gilt seiner Witwe Ida Bieler und seiner ganzen Familie.

Georg Kehren

 

Der Dirigent Adam Fischer erinnert sich an seinen Cousin Georg »György« Fischer

 

György Fischer

György Fischer, der am 25.10.2020 85-jährig verstorbene ehemalige Erste Kapellmeister und stellvertretende GMD der Oper Köln war mein Cousin. Ich habe ihn seit meiner frühesten Kindheit als mein Vorbild betrachtet, er war wie ein älterer Bruder für mich, den ich geliebt, respektiert und bewundert habe.
Er ist 1935 in Budapest geboren, hat Ungarn im Anschluss an den Volksaufstand im Frühjahr 1957 verlassen, hat am Mozarteum in Salzburg studiert, wurde dann bald Korrepetitor an der Wiener Staatsoper und Assistent von Herbert von Karajan. Im Jahre 1965 ging er von dort nach Köln; dort blieb er bis zu seiner Pensionierung. Er war dort so etwas wie der Fels in der Brandung, hat unermüdlich und geduldig zwischen den sich ständig wechselnden GMDs und dem Ensemble vermittelt, er war mit dem Haus verbunden, ein exzellenter Opernfachmann der alten Schule, wie sie im deutschem Opernbetrieb so wichtig sind und von denen es heute leider immer weniger gibt. Und er war einer der großartigsten Musiker, die ich gekannt habe. Als Pianist und Klavierbegleiter hat er mit den größten Sängern von Elisabeth Schwarzkopf bis Cecilia Bartoli gearbeitet, die alle dankbar waren für das, was sie von ihm gelernt haben

Mozart hat er geliebt, Mozart war alles für ihn. Ich kann mich an eine wunderbare Aufführung von „La Clemenza di Tito" erinnern, die er in den Siebzigern in der Inszenierung von Jean-Pierre Ponelle in Köln dirigiert hat. Als Mozart-Dirigent hat er regelmäßig auch in Großbritannien und Australien Erfolge gefeiert. Wenn er von Mozart sprach, geriet er geradezu in Ekstase; wer ihn hörte, der konnte nicht gefühllos bleiben. Meine Eltern haben erzählt, dass ihm schon in seiner Kindheit von den Autokennzeichen Mozarts Werke mit der gleichen Köchel Verzeichnisnummer eingefallen waren. Bei seiner Flucht aus Ungarn hat er die Noten des g-Moll-Streichquintettes in seiner Tasche mitgenommen.

Er hat mir sehr viel gegeben, ich habe von ihm sehr viel gelernt. Er gab mir künstlerische und praktische Ratschläge, die alle unschätzbar wertvoll waren. Das meiste, was ich in meiner beruflichen Karriere erreicht habe, habe ich ihm zu verdanken. Und er war bescheiden, immer fröhlich, immer für alle hilfsbereit. Neid und Frust, die in der Welt der Künstler leider so verbreitet sind, waren ihm vollkommen fremd. Vielleicht war das auch sein Geheimnis. Er war im Leben glücklich und zufrieden. Er hatte einen wunderbaren Humor. Er war über vierzig Jahre mit Ida Bieler verheiratet, die früher auch mal Konzertmeisterin des Gürzenich-Orchesters war. Die beiden waren sehr unterschiedlich im Temperament, haben aber wunderbar harmonisiert. Es war wunderschön, die beiden miteinander zu erleben! Ich habe mich bei Ihnen immer sofort zu Hause gefühlt.

Allen, die ihn gekannt haben, wird er schmerzlich fehlen.
Ich trauere um einen großen Musiker, einen lieben Menschen und den Bruder, der auch ein wunderbarer Freund war.

von Adam Fischer