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Nachruf auf Dennis Wilgenhof

„Jung? Ist das ein Problem?“ - Zum Tode von Dennis Wilgenhof

Sich auf der Bühne hinter anderen Kollegen zu verstecken, wäre ihm mit seinen circa 2 Metern Körpergröße kaum möglich gewesen. Und so konnte man sich immer wieder darüber freuen, wie Dennis Wilgenhof es verstand, seine auffallende Physis in den Dienst seiner Rollengestaltungen zu stellen beziehungsweise – wenn sich die seltene Gelegenheit bot – ironisch zu brechen, sehr witzig etwa als Zwerg Ursli, der höchste Zwerg aller Zeiten, in der Kinderoper »Schneewittchen« von Marius Felix Lange, noch in der damaligen Spielstätte der Kinderoper Köln, im Alten Pfandhaus.

Es waren die gerissenen Schurken und eiskalten Killer (Sparafucile in »Rigoletto«, Mörder in »Macbeth«, 3. Strolch in »Die Kluge«, Osmin in »Die Entführung aus dem Serail«), bei denen der langgliedrige Bassist dem ersten Eindruck seiner äußeren Erscheinung – allerdings nur scheinbar – wenig hinzusetzen musste, um als eine Idealbesetzung zu gelten. Nicht weniger überzeugend gelangen ihm die Verkörperungen der Militärs (Zuniga in »Carmen«, Ramballe in »Krieg und Frieden«), der Vaterrollen (Crespel in »Hoffmanns Erzählungen«, Pfleger des Orest in »Elektra«) und – mehr als nur zuverlässig umrissen – Partien wie Dreieinigkeitsmoses in Katharina Thalbachs Inszenierung von »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny«, Doktor Grenvil (»La Traviata«), Cesare Angelotti (»Tosca«) sowie – gar schaurig erinnerlich – der furchteinflößende Don Toribio in »Love and Other Demons« von Peter Eötvös.

Von 2009 bis 2012 gehörte der privat so sanfte wie humorbegabte Künstler fest dem Ensemble der Oper Köln an und blieb dem Hause bis zuletzt verbunden.

Seine Antrittsrolle hier war 2009 in Richard Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg« der Nachtwächter in der brennenden Stadt, und sein Rollendebüt als Komtur in »Don Giovanni« ereignete sich im Rahmen des China-Gastspiels der Oper Köln im National Centre for the Performing Arts in Beijing. Eine besondere Geschichte verknüpft sich mit seinen Auftritten als Doktor in Alban Bergs »Wozzeck« – eine hoch komplizierte Partie, bei der er später einräumte, sie im Vorfeld unterschätzt zu haben, und die er sich dann innerhalb kürzester Zeit verinnerlichte, im Nachgang um einen wichtigen Erfolg und eine große Erfahrung reicher. Von seiner gleichbleibend ruhigen Ausstrahlung in kritischen Situationen konnten Kollegen in solchen Zusammenhängen nur profitieren.

Kluger Kopf, genauer Beobachter, einfühlsamer Gesprächspartner, trockener Kommentator: Das Interessenspektrum des Dennis Wilgenhof reichte weit über das Feld der Oper und des Theaters hinaus – eine besondere Qualität, die er auch bei seiner Tätigkeit als Dozent an der Maastrichter Toneelacademie einsetzen konnte. Gastspiele führten ihn zuletzt auch an die Staatsoper Berlin (Bonze in »Madama Butterfly«) und an die Scala di Milano.

Wer ihn kannte, dem bleibt seine auch beim Sprechen wohltönende Bassstimme in Erinnerung, sein charmanter niederländischer Akzent bei – das darf erwähnt sein – exzellenter Beherrschung der deutschen Grammatik.

Als geborener Team-Player liebte er den festen Ensemblezusammenhang, den launigen Austausch mit ihm vertrauten Bühnenpartnern, und so war ihm die Freude der Wiederbegegnung immer wieder anzumerken, wenn er – mittlerweile als freischaffender Solist – an sein Stammhaus, die Oper Köln, zurückkehrte, im Frühjahr 2016 beispielweise als doppelgesichtig unheimliche Erscheinung Jacobus d’Arc/Vicar-Inquisitor in Tatjana Gürbacas aufrüttelnder Inszenierung von Walter Braunfels‘ »Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna«. Seine – was da niemand ahnen konnte – letzte Kölner Vorstellung gab er im Januar 2017 in Leonard Bernsteins »Candide«.

Als wäre es gestern gewesen: Als er sich vor neun Jahren bei einem Vorsingen erstmals für ein eventuelles Engagement an der Oper Köln vorstellte und dabei gleich positiv auffiel, wurden für einige Momente Zweifel formuliert, ob er mit seinen damals gerade mal Mitte 30 nicht doch noch etwas zu jung für die in Frage kommenden Fachpartien sei. »Jung? Ist das ein Problem?« war da – mit spielerisch hochgezogenen Augenbrauen – seine lakonische Gegenfrage. Nein, es war natürlich kein Problem. Nun aber: Viel zu jung! Der Abschied ist ein Schock. Im Alter von kaum 44 Jahren ist Dennis Wilgenhof, der hoch geschätzte Kollege und Kamerad, in einem Maastrichter Hotel völlig überraschend einem Herzinfarkt erlegen. Die Oper Köln trauert mit seinen Hinterbliebenen.

g. k.