Ruth Berghaus

Vita

Wie sehr die einzigartige und umstrittene Handschrift der Regisseurin Ruth Berghaus der Welt des Musiktheaters seit ihrem Tod fehlt, lässt sich an den Aussagen verschiedenster RegisseurInnen, SchauspielerInnen, SängerInnen, TänzerInnen, ChoreographInnen und BühnenbildnerInnen ermessen, die ihre jeweilige Zusammenarbeit mit Berghaus als Höhepunkt ihrer künstlerischen Entwicklung bezeichnen.
Das vielfältige Talent der Berghaus wurde schon früh von Gret Palucca erkannt, an deren Schule in Dresden Berghaus unmittelbar nach dem Abitur Tanzregie und -pädagogik studierte. Nach einem ersten Erlebnis mit der »Mutter Courage« 1949 ging sie an die Akademie der Künste nach Berlin; 1952 wurde sie Choreographin am Deutschen Theater, wo sie die Inszenierungen Brechts und Felsensteins kennenlernte – und Paul Dessau. 1954 heiratete sie Dessau; sie bekamen einen Sohn, Maxim. An der Deutschen Staatsoper inszenierte sie 1960 Dessaus »Die Verurteilung des Lukullus« – ein Erfolg, der zu weiteren Uraufführungen von Dessaus Opern führte.
Als Helene Weigels Nachfolgerin am Berliner Ensemble ergriff Berghaus ab 1971 die Chance, das Brecht-Establishment in Frage zu stellen. Bis dahin selten gespielte und umstrittene Autoren wie Heiner Müller, Peter Hacks und Karl Mickel brachte sie zur Aufführung und engagierte ebenso unbekannte Regisseure und Bühnenbildner, um das inzwischen zum »klassischen Erbe« verkommene Werk Brechts neuen politischen Bedingungen und ästhetischen Forderungen anzupassen. Dies führte allerdings zu Konflikten. Noch vor ihrem Rücktritt 1977 wurde sie die Regisseurin an der Deutschen Staatsoper, wo sie in enger Zusammenarbeit mit Sigrid Neef und Marie-Luise Strandt ihre langjährige Beschäftigung mit Mozart begann.
Besonders bekannt wurde Berghaus‘ Zusammenarbeit mit Michael Gielen an der Frankfurter Oper 1980 bis 1987, vor allem durch den »Ring«-Zyklus (1985-1987). Monate vor ihrem Tod, im Herbst 1995, hat sie noch in Hamburg inszeniert. Ob in Frankfurt, Hamburg, Berlin, Brüssel, Paris, Wien oder Leipzig – große Stars suchten die Begegnung mit ihr in harter Probenarbeit, »um sich in der Arbeit selbst zu erkennen.« (S. Neef). Berghaus stellte gern das Vertraute ins Spannungsfeld geistiger Auseinandersetzungen. Ihr unverstellter Blick auf ein Werk diente dem Versuch, mit dem Ensemble zu neuen Lösungen zu kommen. Die Inszenierungen dieser Ikone des Theaters sind auch nach ihrem Tod auf Festspielplänen in ganz Europa zu finden.

 

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