60 Jahre Oper Köln am Offenbachplatz

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»Wenn es manchmal auch nicht leicht ist bzw. war, Oper an den verschiedensten Interimspielorten zu etablieren, so sehe ich es gemeinsam mit all meinen Mitarbeitern als eine Pflicht an, die lange Tradition des Hauses in gewohnter Qualität weiter zu führen. Genauso wie Intendant Herbert Maisch seinerzeit die Fahne der Oper in der Universitätsaula hochgehalten hat, so halten wir jetzt die Fahne hoch im StaatenHaus und eines Tages wird man dann von der Ära ›StaatenHaus‹ sprechen ... bei einem Glas Sekt oder einer Zigarette in der Pause auf einem der Balkone am Offenbachplatz mit Blick auf die Domspitzen ...«

Intendantin Birgit Meyer

 
 
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Rede von Frau Laugwitz-Aulbach zur Feierstunde „60 Jahre Oper Köln am Offenbachplatz“ am Samstag, 11.03.2017 im StaatenHaus

 

Liebe Frau Dr. Meyer, lieber Herr Dr. Zieseniß, sehr verehrte Festgäste,

im Namen von Frau Oberbürgermeisterin Reker, darf ich Sie alle zu diesem Jubiläums-Anlass »60 Jahre Oper Köln am Offenbachplatz« sehr herzlich begrüßen und Gratulationswünsche übermitteln! Begehen können wir diese Feierstunde leider nicht am Offenbachplatz selbst, das mag etwas ungewöhnlich anmuten, aber Sie wissen alle, die Sanierung der Bühnen lässt uns momentan keine andere Wahl.

Doch auch das reizvolle Ambiente des StaatenHaus verspricht einen Abend in schöner, festlicher Atmosphäre, einen Abend, der unsere Oper durch exquisite Stimmen strahlen lässt, einen Abend, der für einige Stunden in den Hintergrund rückt, dass die Fertigstellung unseres Bühnenensembles noch andauern wird. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass am Ende des langen Weges der Erneuerung auch der Erfolg stehen wird. Die große alte „Lady Bühnen“ wird in einem prachtvollen Kleid wiedererscheinen, und sie wird ein Glanzstück sein, das weit über Köln und die Region hinaus leuchten wird.

Die Sanierung unseres Bühnenensembles ist aber nicht nur ein Bekenntnis zur Kultur und ihrer großen Bedeutung für unsere Stadt, sie ist auch ein Bekenntnis zu dem Kölner Architekten Wilhelm Riphahn.

 

Wilhlem Riphahn gilt als bedeutendster Architekt Kölns der Nachkriegszeit. Im Anschluss, meine Damen und Herren, werden Sie gleich von Herrn Michael Kohler weitere interessante Ausführungen zu der Stellung Riphahns für Köln und auch zu anderen architektonischen Spuren, die er in Köln hinterlassen hat, erfahren. Und auch der Meister wird selbst zu Wort kommen, in einem historischen Filmausschnitt aus dem Archiv des WDR: Wilhlem Riphahn im Gespräch mit dem damals noch jungen und später so prominenten Journalisten Hans-Joachim Friedrichs. Ein in jeder Hinsicht überraschendes Interview!

Im Jahr 1953 also hatte die Stadt Köln beschlossen, als eines der ersten großen Bauprojekte nach dem 2. Weltkrieg ein neues Opernhaus mit Theaterhaus und Opernterrassen auf dem Offenbachplatz zu errichten. Bereits im Jahr 1957 konnte das neue Opernhaus eröffnet werden. In Anwesenheit von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Bundespräsident Theodor Heuss und unter großer Aufmerksamkeit und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt waren der Festakt am 18. Mai 1957 und die erste Premiere dort am 19. Mai 1957 das kulturpolitische Ereignis des Jahrzehnts! 

Symbol und Zeugnis, dass Bühnenkultur nicht als Luxus, sondern als Basis einer Stadtgesellschaft zu verstehen ist.

 

Dies gilt 60 Jahre später mehr denn je. Carl Maria von Webers »Oberon« war das Werk, das an jenem 19. Mai 1957 zu erleben war. Und »Oberon« ist auch die Oper, die wir heute hier im Staatenhaus in konzertanter Form hören werden. Ein Werk, in dem Treue, Liebe und Zusammenhalt inhaltlich eine große Rolle spielen und nach vielen Irrungen und Wirrungen und schwersten Prüfungen alle schlussendlich am richtigen Ort zusammenfinden. So möge es auch mit der Oper Köln am Offenbachplatz sein!

Die Stadt Köln hat sich für den Erhalt und die Renovierung dieser zeitlos modernen Architektur entschieden, die in den 1950er Jahren maßstabsetzend war. Im Bewusstsein der Kölner Bevölkerung sind das Opernhaus und das Schauspielhaus zu einem festen Bestandteil des Bildes und der kulturellen Identität unserer Stadt geworden. Und für die Zuschauerinnen und Zuschauer sind Oper und Schauspiel eng mit dem Gebäudeensemble auf dem Offenbachplatz verknüpft. Und was viele nicht wissen: Der Offenbachplatz ist ein wahrhaft geschichtsträchtiger Ort, auf dem bis zum Zweiten Weltkrieg eine Synagoge stand. In dieser war Jacques Offenbachs Vater zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Kantor tätig. Die Entscheidung für die Sanierung der Bühnen der Stadt Köln am Offenbachplatz ist damit auch ein Bekenntnis zu der Historie dieses Ortes.

In den Jahrzehnten nach der Premiere 1957 setzte die Oper Köln als eines der international wichtigen Opernhäuser Maßstäbe für große, relevante Opernaufführungen in erstklassiger Besetzung – und dafür steht sie bis heute. Nicht nur Aufführungen mit berühmten Sängerstars fanden und finden hier statt, auch durch Ur- und Erstaufführungen macht die Oper Köln regelmäßig von sich reden. Lassen Sie mich einige Wenige nennen, wie Wolfgang Fortners »Bluthochzeit«, Bernd Alois Zimmermanns »Die Soldaten«, im Jahre 2011 hier im StaatenHaus die Uraufführung von Karlheinz Stockhausens »Sonntag« aus dem Zyklus »Licht« sowie im vergangenen Jahr die bemerkenswerte Urauffühurng »Tree of Codes« von Liza Lim oder ganz aktuell am vergangenen Wochenende mit »Die Antilope« von Johannes Maria Staudt.

Hinter diesen 60 Jahren stehen natürlich auch unendlich viele Menschen, die das vollbracht und zum Gelingen geführt haben.

 

Mein Dank gilt somit allen Künstlerinnen und Künstlern, allen Intendanten, Dirigenten, Regisseuren, Geschäftsführern, allen Mitarbeitern vor und hinter der Bühne, die Tag für Tag und Abend für Abend diese andere Welt für uns haben entstehen lassen bis heute und natürlich auch in Zukunft!!

Ihnen, liebe Frau Dr. Meyer, und Ihrem Team ein ganz besonderer Dank für Ihre außerordentliche Leistung, mit der Sie die Oper Köln mit viel Herz erfolgreich durch das Interim führen. Dank an alle Mitglieder des Rates der Stadt Köln, die immer im entscheidenden Moment den Weg freigemacht haben, dass es für die Kölner Oper weiter geht! Dank auch an alle Unterstützer, an die Sponsoren, an die Förderer, an die wirklichen Wegbegleiter und Freunde, ohne die die 60 Jahre nicht denkbar gewesen wären. Bitte, bleiben Sie der Oper Köln auch weiterhin gewogen!

Meine Damen und Herren, in einem bekannten amerikanischen Film fällt einmal der Satz: »Menschen, die die Oper nicht lieben, tun mir leid, denn die Musik wird niemals ein Teil ihrer Seele sein.«

Nun, Köln liebt seine Oper!

Wie schön, dass wir nachher bei den Klängen von Carl Maria von Webers »Oberon« unsere Seele öffnen dürfen. In diesem Sinne Gratulation und auf weitere erfolgreiche Jahrzehnte der Oper Köln! Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Abend!

Vielen Dank!

 
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Fotos: Teresa Rothwangl